Regeln & Varianten
Pilish ist eine Familie von Schreibregeln. Der Kern ist immer derselbe — Wortlängen codieren Ziffern von π — aber je nachdem, wie man mit Sonderfällen wie der Ziffer 0 oder mit besonders langen Wörtern umgeht, unterscheidet man zwei klar definierte Varianten. Beide gehen auf die Formalisierung von Mike Keith zurück.
Basic Pilish
Die einfachere Variante. Sie funktioniert nach zwei Regeln:
| Wortlänge n | codiert die Ziffer |
|---|---|
| 1 ≤ n ≤ 9 | n |
| n = 10 | 0 |
Da π nur Ziffern von 0 bis 9 enthält, reichen Wortlängen von 1 bis 10 völlig aus. Wörter mit elf oder mehr Buchstaben sind in Basic Pilish schlicht nicht erlaubt — der Text muss daran vorbeischreiben.
Standard Pilish
Die in der Praxis verbreitete, etwas freiere Variante. Sie ergänzt Basic Pilish um eine dritte Regel:
| Wortlänge n | codiert |
|---|---|
| 1 ≤ n ≤ 9 | die Ziffer n |
| n = 10 | die Ziffer 0 |
| n > 10 | zwei aufeinanderfolgende Ziffern, gegeben durch die Dezimaldarstellung von n |
Beispiel: Ein 13-buchstabiges Wort wie piphilologist codiert in Standard Pilish die zwei Ziffern 1, 3. Diese Erweiterung wurde eingeführt, weil Reihen kleiner Ziffern (etwa 1121 oder 1111211) sich rein mit ein- bis zehnbuchstabigen Wörtern kaum natürlich formulieren lassen.
Wie liest man π aus einem Pilish-Text aus?
Die Vorgehensweise ist mechanisch: Man notiert nacheinander für jedes Wort die Buchstabenzahl, ersetzt die 10 durch eine 0 und schreibt zweistellige Längen als zwei Ziffern aus. Aus dem Titel Not A Wake wird so:
Das sind die ersten drei Ziffern von π. Auf demselben Prinzip basiert die gesamte Decodierung längerer Werke.
Was zählt als „Wort“?
In der Praxis gelten ein paar pragmatische Konventionen, die in der Pilish-Community weitgehend geteilt werden:
- Satzzeichen (Punkt, Komma, Doppelpunkt, Anführungszeichen) zählen nicht mit.
- Bindestrich-Komposita wie self-aware werden in der Regel als ein Wort gezählt, oft aber durch Auflösung des Bindestrichs als zwei Wörter behandelt — die Konvention sollte im Werk konsistent sein.
- Zahlen sollten möglichst ausgeschrieben werden; eine Ziffer wie „4“ ist mehrdeutig (Buchstabenzahl ist 1, gemeint sind aber 4).
- Apostrophe in Kontraktionen (don't, it's) zählen typischerweise nicht zur Buchstabenzahl.
Was Pilish nicht verlangt
Reim, Versmaß, Satzlänge oder thematische Einheit sind keine Bestandteile der Regel — sie ergeben sich aus dem Anspruch des jeweiligen Autors. Ein Pilish-Text kann genauso gut nüchterne Prosa wie ein Sonett sein.