Kapitel 02

Regeln & Varianten

Pilish ist eine Familie von Schreibregeln. Der Kern ist immer derselbe — Wortlängen codieren Ziffern von π — aber je nachdem, wie man mit Sonderfällen wie der Ziffer 0 oder mit besonders langen Wörtern umgeht, unterscheidet man zwei klar definierte Varianten. Beide gehen auf die Formalisierung von Mike Keith zurück.

Basic Pilish

Die einfachere Variante. Sie funktioniert nach zwei Regeln:

Wortlänge ncodiert die Ziffer
1 ≤ n ≤ 9n
n = 100

Da π nur Ziffern von 0 bis 9 enthält, reichen Wortlängen von 1 bis 10 völlig aus. Wörter mit elf oder mehr Buchstaben sind in Basic Pilish schlicht nicht erlaubt — der Text muss daran vorbeischreiben.

Standard Pilish

Die in der Praxis verbreitete, etwas freiere Variante. Sie ergänzt Basic Pilish um eine dritte Regel:

Wortlänge ncodiert
1 ≤ n ≤ 9die Ziffer n
n = 10die Ziffer 0
n > 10zwei aufeinanderfolgende Ziffern, gegeben durch die Dezimaldarstellung von n

Beispiel: Ein 13-buchstabiges Wort wie piphilologist codiert in Standard Pilish die zwei Ziffern 1, 3. Diese Erweiterung wurde eingeführt, weil Reihen kleiner Ziffern (etwa 1121 oder 1111211) sich rein mit ein- bis zehnbuchstabigen Wörtern kaum natürlich formulieren lassen.

Wie liest man π aus einem Pilish-Text aus?

Die Vorgehensweise ist mechanisch: Man notiert nacheinander für jedes Wort die Buchstabenzahl, ersetzt die 10 durch eine 0 und schreibt zweistellige Längen als zwei Ziffern aus. Aus dem Titel Not A Wake wird so:

Not (3) · A (1) · Wake (4) → 3 · 1 · 4

Das sind die ersten drei Ziffern von π. Auf demselben Prinzip basiert die gesamte Decodierung längerer Werke.

Was zählt als „Wort“?

In der Praxis gelten ein paar pragmatische Konventionen, die in der Pilish-Community weitgehend geteilt werden:

Was Pilish nicht verlangt

Reim, Versmaß, Satzlänge oder thematische Einheit sind keine Bestandteile der Regel — sie ergeben sich aus dem Anspruch des jeweiligen Autors. Ein Pilish-Text kann genauso gut nüchterne Prosa wie ein Sonett sein.

Praxistipp: Wer selbst schreiben will, beginnt am besten mit Standard Pilish. Die Möglichkeit, gelegentlich elf- oder zwölfbuchstabige Wörter einzustreuen, macht den Unterschied zwischen einem Text, den man irgendwie hinbiegt, und einem, der sich liest, als wäre das Pilish-Korsett gar nicht da.

Quellen